Eisenbahn in der Schweiz
Baureihe Ae 4/4

Burkina Faso
10.11.1998
Mi.-Nr. 1596

Lokomotiven aus aller Welt

Nr. 257

Die Kunst des Lokomotivbaus machte einen großen Sprung nach vorne, als die BLS einen einfach aussehenden Lokomotivtyp mit zweiachsigen Drehgestellen in Betrieb nahm. Das Außergewöhnliche war, daß man hier auf vier Achsen eine Leistung von 4.000 PS untergebracht hatte, wo man sich bisher bei Lokomotiven ähnlicher Bauart und Größe mit der Hälfte begnügen mußte.

Zu Beginn der vierziger Jahre begann man sich mit der Konstruktion einer neuen Lokomotive zu beschäftigen. Der Gedanke, daß man die Achsen einer Lok in zwei Drehgestellen anordnet, war noch nicht lange Allgemeingut; man hatte noch manches Problem zu lösen. Vor allem mußte man die Achslast auf die vorgegebene Größe von 20 t beschränken. Bei dem verwendeten niederfrequenten Wechselstrom war vor allem das Gewicht des Haupttransformators ein kritischer Punkt - durch Verwendung eines sternförmigen Kerns konnte das Trafogewicht von 16 auf 9,5 t vermindert werden. Beim Bau des geschweißten Lokkastens fanden Leichtmetallegierungen umfangreiche Verwendung. Mit einer Verminderung des Lokgewichts verringert sich aber auch die verfügbare Zugkraft; dieses Problem ging man mit einer Kombination mechanischer und elektrotechnischer Maßnahmen an. Die Spannungssteuerung auf der Hochspannungsseite des Haupttransformators ermöglichte eine - mit 28 Fahrstufen - feinere Abstufung der Zugkraft, die die Gefahr des Räderschleuderns durch Spannungssprünge herabsetzte. Die Anlenkung der Drehgestelle legte man so tief wie möglich, um die unvermeidliche Entlastung der vorderen Treibachsen auf ein Mindestmaß zu beschränken. Zusätzlich verbesserte eine mechanische Ausgleichsvorrichtung die Gewichtsverteilung zwischen den beiden Drehgestellen. Dem Schleudern der Räder wirkte eine selbsttätige Schleuderschutzbremse entgegen, darüber hinaus gibt es dagegen die althergebrachte Abhilfe durch Sandstreuer. Bei Talfahrten wird die Bremskraft automatisch so geregelt, daß die Räder nicht blockieren können. Bei den langen Gefällestrecke hilft die Widerstandsbremse den Verschleiß der Bremsklötze auf ein erträgliches Maß zu beschränken. Wegen dem damit verbundenen zusätzlichen Gewicht verzichtete man auf eine Rückspeisung des Bremsstroms in die Fahrleitung; im Vergleich zu anderen Maschinen waren die "Ae 4/4" auch so schon kompliziert genug.

Ursprünglich waren es vier Loks (Nr. 251 -254), 1955 kamen noch einmal vier Stück (Nr. 255-258 hinzu. Ab 1959 entstanden 3 Doppelloks, Reihe "Ae 8/8" (Nr. 271 -273), die permanent gekuppelten "Ae 4/4-Paaren - unter Fortfall zweier Führerstände - entsprachen. 1965/66 baute man die "Ae 4/4" Nr. 253 bis 256 in zwei weitere "Ae 8/8" mit den Nummern 274 und 275 um. Die verbliebenen vier ursprünglichen Loks rüstete man mit einer Vielfachsteuerung aus, die den Einsatz in Doppeltraktion oder im Wendezugverkehr mit Steuerwagen gestattete.


Technische Daten

Gesellschaft BLS
Nummern 251 - 258
Hersteller SLM/BBC
Fabr.-Nr. 3.883, 3.884
3.968, 3.969
4.042, 4.043
4.127, 4.128
Spurweite 1435 mm
Achsfolge Bo'Bo'
Stromsystem 15 kV 16 2/3 Hz
Leistung 4 x 736 kW
Antrieb BBC-Scheibenantriebe
Zugkraft 236 kN
Länge 15.600 mm
Gewicht 80 t
Achslast 20 t
Geschwindigkeit 125 km/h
Baujahre 1944 - 1946
1951 - 1955


Das Handbuch der Lokomotiven