Eisenbahn in der Schweiz
Baureihe BCFe 4/4

Schweiz
14.06.1947
Mi.-Nr. 482

Pro Patria

Bahnhof Lüen-Castiel
Strecke Chur - Arosa

Triebwagen BCFe 4/4
Chur-Arosa-Bahn

Ende November 1912 wurde die ganze elektrische Ausrüstung inklusive jener der Triebwagen an die Firma Brown Boveri & Cie. vergeben. Bei der Betriebsaufnahme 1914 waren 4 vierachsige Personen/Gepäck-Triebwagen BCFe 4/4 vorhanden.

Bei 38 t Leergewicht der Triebwagen wurden ein normales Zuggewicht von 48 t und ein maximales Zuggewicht von 70 t genannt. Doppeltraktion war nicht vorgesehen. Bei einer maximalen Anhängelast von nur 30 t mußten die Anhängewagen sehr leicht sein: zum Beispiel drei Zweiachswagen mit je 6 8 t Tara.

Der boomende Fremdenverkehr ab etwa 1923 brachte auch der ChA mehr Verkehr und mehr Einnahmen: Die Bruttotonnenkilometer und die Triebwagenkilometer verdoppelten sich von 1923 bis 1929. Die ChA war genötigt, den Fahrzeugpark aufzustocken und auch die Fahrstromversorgung auszubauen. Unterstützung erhielt die ChA dabei von W. Dürler, Oberelektroingenieur der RhB, der nach Abschluß der Elektrifikation bei der RhB (1922) für solche Aufgaben offenbar Zeit hatte.

Die ChA beschaffte in dieser Zeit zwei weitere vierachsige Triebwagen, je einer 1925 und 1929, praktisch von gleicher Bauart, wie die 1914 beschafften, allerdings von etwas modernerem Aussehen. Die elektrische Ausrüstung des Triebwagens Nr. 6 wurde jedoch der technischen Entwicklung entsprechend moderner und leistungsfähiger gestaltet, insbesondere kamen neue, robustere und leistungsstärkere Triebmotoren zum Einbau, die anschließend auch bei allen fünf vorhandenen Triebwagen die alten, erst fünf zehnjährigen, aber offensichtlich unbefriedigenden ersetzten. Damit war eine erhebliche Leistungssteigerung verbunden: Die Stundenleistung der Triebwagen betrug neu 524 PS (386 kW) statt 400 PS (294 kW), die Anhängelast neu 46 t (anstatt 30 t). Gleichzeitig sind aber bei Triebwagen Nr. 6, und anschließend bei allen andern Triebwagen, noch weitere Verbesserungen vorgenommen worden:

Als pikantes Detail ist hier folgendes zu erwähnen: Die sehr robusten Triebmotoren und Umformergruppen von 1929 sind (wenn auch mit neuen Wicklungen) aus Kostengründen wieder in die ChA-Triebwagen der Baujahre 1957/58 eingebaut worden und blieben bis 1997 in Betrieb!

Mit ihrem Fahrzeugpark überdauerte die ChA die Krisenzeit der dreißiger Jahre sowie den Zweiten Weltkrieg bis zur Fusion mit der RhB, eine Zeit, in der es an Geld und Material (Kupfer, Stahl) mangelte und in der es ums reine Überleben und um die bestmögliche Substanzerhaltung ging!

Eisenbahn-Revue 12/98


Technische Daten

  Nr. 1 - 5 Nr. 6
Gesellschaft Chur-Arosa-Bahn (ChA)/RhB)
Hersteller BBC/SWS
Spannung 2.000 V =/später 2.400 V =
Stundenleistung 400 PS 524 PS
Achsfolge Bo Bo
Spurweite 1.000 mm
  Nr. 1 - 5 Nr. 6
Gewicht 38 t ?
Anhängelast 30 t 46 t
Länge 17.500 mm
Geschwindigkeit 25 km/h ?
Baujahr 1914/1925 1929